Zwei verschiedene Gründungslösungen

Sowohl der Bohrpfahl als auch der Schraubpfahl sind Stahlpfahlgründungen, die das konventionelle Betonfundament ersetzen. Ihre Konstruktion, Installationsmethode, Tragfähigkeitsklasse und typischen Einsatzgebiete unterscheiden sich jedoch grundlegend. Das Verständnis der Unterschiede hilft bei der Auswahl der richtigen Lösung für das jeweilige Projekt.

Bohrpfahl: Stahlrohr bis zum Fels

Ein Bohrpfahl ist ein dickwandiges Stahlrohr, das durch alle Bodenschichten bis zum Fels gebohrt wird. Die Bohrung erfolgt mit schwerer Bohrausrüstung, die einen Imlochbohrer (DTH, Down-the-Hole) mit Rotation kombiniert. Spülwasser oder Druckluft fördern das gelöste Material aus dem Rohr.

Sobald das Rohr den Fels erreicht hat, wird es gereinigt, bei Bedarf bewehrt und mit Beton verfüllt. Der Spalt zwischen Rohr und Fels wird mit Zementmörtel injiziert, wodurch der Pfahl fest im Fels verankert wird.

Typische Durchmesser beginnen bei ca. 140 mm und können bei großen Projekten über 1 200 mm betragen.

Schraubpfahl: Wendelplatte in die tragfähige Schicht

Ein Schraubpfahl besteht aus einem glatten Stahlrohr, an dessen Spitze eine oder mehrere Wendelplatten angeschweißt sind. Der Pfahl wird durch Drehen mit einem baggermontierten Antriebskopf oder Handgerät in den Boden eingebracht.

Die Gebäudelast wird über das Rohr auf die Wendelplatte übertragen, die sie in die tragfähige Bodenschicht verteilt. Der Schraubpfahl benötigt keine Betonverfüllung und ist sofort nach der Installation tragfähig.

Typische Achsdurchmesser sind 60 bis 323 mm. Kleinere Größen (HELIX-Serie) eignen sich für leichtere Objekte, größere (PRO-Serie) für tragende Konstruktionen wie Häuser, Hallen oder Strommasten.

Installationsverfahren und Ausrüstung

Bohrpfahl erfordert schwere Spezialausrüstung: Bohranlage mit Imlochbohrer, Spülsystem, Ausrüstung für Rohrverlängerungen, Betonpumpe und Injektionsanlage. Die Baustelleneinrichtung ist ein erheblicher Aufwand.

Schraubpfahl wird mit einem Bagger mit montiertem Antriebskopf oder bei kleineren Pfählen mit einem Handgerät installiert. Die Ausrüstung ist schnell mobilisierbar, und die Baustellenbelastung ist gering. Die Installation eines einzelnen Pfahls dauert typischerweise nur wenige Minuten.

Tragfähigkeit und Einsatzgebiete

Bohrpfahl wird im Fels verankert und trägt sehr hohe Lasten. Typische Einsatzgebiete sind Mehrfamilienhäuser, schwere Infrastrukturbauten, große Brücken und Stadtbaustellen mit Vibrationsbeschränkungen.

Schraubpfahl kann Tragfähigkeiten von über 1 000 kN pro Pfahl erreichen. Einsatzgebiete sind Einfamilienhäuser, Hallen, Brücken, Stromleitungen, Solarparks und Gartenanlagen. Schraubpfähle werden zunehmend auch in schwereren Infrastrukturprojekten eingesetzt.

Diese sind in der Regel keine konkurrierenden, sondern ergänzende Lösungen. Bei vielen Projekten sind beide Verfahren technisch möglich, und die Wahl hängt von Baugrund, Lasten und Projektanforderungen ab.

Kosten

Bohrpfahlung ist pro Laufmeter um ein Vielfaches teurer als Schraubpfahlung. Den Preis beeinflussen die Mobilisierung schwerer Ausrüstung, Bohrzeit, Betonverfüllung und Injektion.

Schraubpfahlung ist eine kosteneffiziente Lösung, wenn die Bodenverhältnisse es ermöglichen. Leichtere Ausrüstung, schnellere Installation und der Wegfall von Beton halten die Gesamtkosten niedrig.

Umweltauswirkungen

Bohrpfahlung erzeugt weniger Vibrationen als Rammpfahlung, aber der Bohrlärm ist erheblich. Beim Bohren entsteht auch Erdaushub (Bohrschlamm), der entsorgt werden muss.

Schraubpfahl verursacht sehr wenig Vibration und Lärm. Es entsteht kein Erdaushub, da der Pfahl in den Boden gedreht wird, ohne Bodenmaterial zu verdrängen. Der Schraubpfahl kann auch ausgebaut und wiederverwendet werden.

Beide Verfahren eignen sich für Stadtbaustellen mit Vibrationsbeschränkungen. Der Schraubpfahl ist darüber hinaus geräuscharm und eignet sich für Projekte, bei denen die Bodenstörung und der Abfall minimiert werden sollen.

Vergleichstabelle

EigenschaftBohrpfahlSchraubpfahl
InstallationBohrung in den Fels mit schwerer AusrüstungEindrehen in den Boden mit Bagger oder Handgerät
VerankerungIm Fels, injiziert mit ZementmörtelIn tragfähiger Bodenschicht über Wendelplatte
Typischer Durchmesser140 bis 1 200+ mm60 bis 323 mm (Achse)
TragfähigkeitsklasseSehr hoch (Felsverankerung)Über 1 000 kN pro Pfahl möglich
AusrüstungSchwere Bohranlage, DTH-Hammer, BetonpumpeBagger + Antriebskopf oder Handgerät
KostenniveauEin Vielfaches des SchraubpfahlsKosteneffizient
InstallationsgeschwindigkeitLangsamer (Bohren, Betonieren, Injizieren)Schnell (Minuten pro Pfahl)
VibrationGering (verdrängungsfrei), aber BohrlärmSehr gering
Typische ObjekteMehrfamilienhäuser, schwere Infrastruktur, große BrückenEinfamilienhäuser, Hallen, Brücken, Stromleitungen, Solarparks
BetonverfüllungJa (Rohr wird mit Beton verfüllt)Nein (sofort tragfähig nach Installation)

Zusammenfassung

Bohrpfahl und Schraubpfahl sind unterschiedliche Verfahren für unterschiedliche Anforderungen. Der Bohrpfahl wird gewählt, wenn das Projekt eine Felsverankerung erfordert. Der Schraubpfahl wird breit eingesetzt, vom Einfamilienhaus bis zum Infrastrukturbau, wenn der Baugrund für eine Drehinstallation geeignet ist.

Wenn Sie unsicher sind, welches Verfahren für Ihr Projekt passt, fragen Sie einen Fachmann. Die richtige Wahl hängt immer vom Baugrund, den Lasten und dem Konstruktionstyp des Objekts ab.